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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 CliC Diskussionen
Co-Administration Offline




Beiträge: 2.062

21.04.2015 21:16
Im ersten Abstinenzjahr große Veränderungen meiden? Eure Erfahrungen und Meinungen? Zitat · antworten

In einem befreundeten Suchtselbsthlfeportal tauchte heute eine Frage auf, die ich gern auch hier zum allgemeinen öffentlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch in den Raum stellen mag:
WAs ist dran an der Empfehlung, im ersten Jahr der Abstinenz grundlegende gravierende Veränderungen der Lebensumstände tunlichst zu vermeiden oder zumindest nicht auf eigenes Betreiben herbeizuführen.
(also z.B. so gravierende Dinge wie neue Partnerschaft, Heirat, Trennung/Scheidung, Umzug, Berufswechsel/Selbstständigmachen geplante Schwangerschaften etc.
(Hardliner rechnen da sogar noch die Anschaffung von Haustieren oder Zimmerpflanzen dazu)
Wie sind Eure Erfahrungen damit und wie ist Eure Sichtweise?

viele Grüße von Ingrid

PS: Clean ist cool!

CliC Lübeck Offline




Beiträge: 1.852

22.04.2015 16:00
#2 RE: Im ersten Abstinenzjahr große Veränderungen meiden? Eure Erfahrungen und Meinungen? Zitat · antworten

Signifikante Veränderungen, die das Konsumumfeld beinhalten, wie desolate Wohnverhältnisse oder einen konsumierenden Partner, sollten natürlich sofort angegangen werden.

Im übrigen ist der der Faktor der individuellen Gegebenheiten wichtig. Eigentlich ist die Frage garnicht beantwortbar..

Wer zuviel Druck beim Job hatte und durch "Entlastungstrinken" missbräuchlich oder abhängigen Konsum entwickelt hat, sollte genau überlegen, ob diese Verhältnisse tragbar sind, nach Reha oder nur qualifizierter Entgiftung. Andererseits ist die dadurch gegebende Tagesstruktur für viele ein Garant für die Abstinenz in den ersten "schweren" Monaten.

Hier ist für viele das "Hambuger Modell" (langsamer Einstieg in die Arbeit mit schrittweiser Erhöhung der Stundenzahl) eine tolle Sache.

Partnerschaften die durch den Konsum belastet sind, erfahren durch den veränderten User noch eine zusätzliche Komponente für Belastungen, können aber auch emotionale Stabilität generieren.

Im allgemeinen sind aber partnerschaftliche Probleme, der Rückfallgrund NO. 1. Das spricht eher für eine gewisse Zeit des Alleinseins, um sich erstmal "selber auszuhalten" , Strukturen zu schaffen und eigenen Vorstellungen umzusetzen oder auszuprobieren.

Ganz allgemein kann man sagen, dass Veränderungen zum großen Teil, erst im Laufe der Abstinenz entstehen, dadurch dass der Süchtler, seine ureigensten Interessen erkennt und sie mit neuem Selbstbewusstsein auch wahrnimmt, bzw. alles versucht um diese Ziele zu erreichen.

Es gibt jedoch einige NO-GOs bei Veränderungen: (Neue) Partnerschaft mit einem Partner, der ebenfalls ganz frisch in die Abstinenz geht. (hier Kennenlernen auf Reha oder Entgiftung)oder Beibehaltung eines (auch mässig) konsumierenden Umfelds bei eigenem "Verzicht"

Wichtig ist vor allen Dingen der Input andere mit denselben Problemen, sei es durch eine Gruppe, klinische Nachsorge oder beides.

Eine gewisse Euphorie am Anfang, Tatendrang und Aufbruchstimmung schadet nie, birgt aber auch Gefahren.

Und dann sind wir eigentlich wieder am Anfang...: Ja, Nein, Vielleicht.

Pauschal ist das (ausser den NO-GOs) schwierig zu beantworten, auch hier gibt es keinen Königsweg.

LG Uwe

Co-Administration Offline




Beiträge: 2.062

29.04.2015 22:29
#3 RE: Im ersten Abstinenzjahr große Veränderungen meiden? Eure Erfahrungen und Meinungen? Zitat · antworten

Ja, auch nach meiner Erfahrung ist da schon was dran, gravierende Veränderungen der Lebensumstände im ersten Jahr besser zu vermeiden.
Mit "Veränderungen" sind da aus meinem Verständnis alle emotional herausfordernde maßgebliche Lebensentscheidungen von einschneidender Bedeutung gemeint, die einem besondere Nerven abverlangen.
Sei es das Einlassen auf eine neue Partnerschaft, ein plötzlicher Jobwechsel (überstürztes Alles-Hinschmeißen), spontaner Trennungsentschluss, Entscheidung zur Scheidung, evtl. auch Umzug, geplante Schwangerschaften etc.
Oft träfen Menschen da nach sagen wir mal ein zwei Jahren Abstinenz eine andere Entscheidung als im ersten Nüchternrausch. (mir fällt kein besseres Wort ein)
Auch wenn bei dem was ich als Beispiele nenne sogar einiges an im Grunde positiven Dingen dabei ist, so sind sie eben doch emotional höchst herausfordernde Situationen, die nicht leicht zu bewältigen sind und einen mitnehmen und Eneqrgie binden. Es herrscht schon in Therapie und Selbsthilfe der allgemeine Tenor, dass dies im ersten Jahr auf eine noch nicht verselbständigte gelebte Abstinenz treffen und so unter Umständen eine Überforderung auslösen könnten, die im schlimmsten Fall die Stabilität der Abstinenzentscheidung negativ beeinflussen könnte.
Zuviel Stress - auch positiver - könnte die Sicherung der neugewonnenen cleanen Lebensweise gefährden. In der Zeitspanne von einem Jahr passiert meist auch so schon genug, das einen ganz schön (über-)fordern kann, daher wohl die Empfehlung, da nicht bewusst noch was an schweren Brocken dazuzuladen..
Es gibt ja noch dazu schon genug zu tun mit den Veränderungen - den äußeren und inneren - die einem der Abstinenz-, Therapie- und ggf. Selbsthilfeentschluss abverlangt; sehr leicht droht da Überforderung und begünstigter Misserfolg.
So habe ich das verstanden und in der Nachschau - ich bin jetzt im 12. Jahr alkoholfrei - auch selbst erlebt und bin froh, Einiges erst nach mehr als einem promillefreien Jahr in Angriff genommen zu haben (und ich hab fast nix von dem oben aufgezählten ausgelassen), daher kann ich das auch voll unterschreiben und bestätigen. Vielen Situationen ist der Ernüchterte nach einer gewissen Zeit einfach besser und sicherer gewachsen, und im ersten Jahr hatte auch bei mir Vorrang, zu lernen was ich AN MIR verändern muss.

Beileibe Anstrengung und Herausforderung genug.

Ausnahmen gibt es natürlich immer mal, aber wie immer in puncto Sucht sollte sich meiner Ansicht nach bitt bloß keiner darauf verlassen, da mal garantiert der Ausnahmefall zu sein :-)

viele Grüße von Ingrid

PS: Clean ist cool!

Fingolfin1
Beiträge:

30.04.2015 09:50
#4 RE: Im ersten Abstinenzjahr große Veränderungen meiden? Eure Erfahrungen und Meinungen? Zitat · antworten

Ein ambivalentes Thema.

Sonst eher dazu neigend, nichts auf die lange Bank zu schieben, tendiere ich in diesem Zusammenhang dazu, die Entscheidung zu einschneidenden Veränderungen von der Art ihrer Findung abhängig zu machen.

Viele (mich seinerzeit eingeschlossen) kommen ja aus ihren ersten Entgiftungen mit dem wilden Entschluss, ihre Welt nunmehr auf den Kopf zu stellen. Leider sind derartige Ansinnen meist recht unreflektiert, aus dem Bauch heraus entschieden und gehen gern auch an der eigentlichen Problematik vorbei. Hier größere Veränderungen anzuleiern ist oft kontraproduktiv
.
Anders sehe ich dieses Thema, wenn sich die Notwendigkeit zur Veränderung in Psycho- oder Langzeittherapien ergeben hat, in regelmäßigen Gruppengesprächen oder wenn der Zwang zur Veränderung sehr offensichtlich ist :

Mobbing, totale Über- oder Unterforderung am Arbeitsplatz sind hier gängige Beispiele. Längst gescheiterte Beziehungen, oft über Jahre schön oder erträglich getrunken (konsumiert) kommen ebenso gern vor. Und in diesen Situationen sehe ich keine Veranlassung für eine Karenzzeit.

Im Gegenteil: Ich werde oft Zeuge des Versuchs, die beschriebenen Umstände - die ja zumindest mitursächlich für den Suchtmittelmissbrauch sind- nunmehr „clean“ zu meistern. Und leider viel zu oft auch bei dessen kläglichen Scheitern.

So gesehen erreichen eben viele gar nicht das erste trockene Jahr, weil der Versuch, nur ohne das Suchtmittel „weiterzuwurschteln“ fast immer zum Scheitern verurteilt ist.
Dies ist genau der Punkt, an dem Selbsthilfe wirksam werden kann :

Den Finger in eben diese Wunden zu legen- was vielen gar nicht so gut gefällt – und mit Hilfe der Gruppe (und natürlich oft auch professioneller Hilfe) zu einer wohlüberlegten Entscheidung zu gelangen, ist in meinen Augen ihre elementarste Aufgabe.

Das Zeitfenster, in dem das geschieht, ist eher zweitrangig. Hauptsache, es gibt eine Entscheidung bzw. Veränderung.

Denn wohin die verschwinden, die sich nicht entscheiden können, wissen wir ja alle…

Gruss

Michael

__________________________________________
Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel: Es löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber- und Gehirnzellen auf. - Es löst nur keine Probleme

… unsere Narben haben die Angewohnheit uns daran zu erinnern, daß die Vergangenheit einmal Realität war … H.L. "Roter Drache"

june063 Offline




Beiträge: 103

28.07.2015 02:05
#5 RE: Im ersten Abstinenzjahr große Veränderungen meiden? Eure Erfahrungen und Meinungen? Zitat · antworten

Das erste Jahr, so ein Jahr der unvermeidbaren Veränderungen.
Viele, in der Reha erlerntes versucht man(ich) anzuwenden und ich merke selbst, dass sich partnerschaftlich viel verändert. Sonst immer still nachgebend, da nasser Alki, fange ich an meine eigenen Standpunkte konsequent darzulegen.

Sicherlich weiss ich auch, dass viele Beziehungen in dieser Zeit scheitern. Den Balanceakt da zu finden, ist nicht leicht. Aber soll ich erst das Jahr abwarten und wertvolle Zeit verstreichen lassen, in alte Schemen fallen und wieder dort landen, wo ich schon mal war?
Veränderung ist Entwicklung und es gehört schon eine Menge Kraft dazu, vorgenommene Ziele zu erreichen.

Wann soll ich denn anfangen, wenn nicht sofort? Ich bin zufrieden mit jedem Tag, den ich trocken bin und ich muss mich eh den neuen Problemen stellen. Für mich wäre es persönlich ein Kneifen und Verdrängen auf unbestimmte Zeit und da war ich schon. Ich will weiter.

Mein Weg ist meiner und jeder muss für sich entscheiden, welchen Weg er/sie geht.

.....................................................
Lang ist der Weg durch Lehren, kurz und wirksam durch Beispiele.

(Seneca, röm. Dichter u. Phil., 4 v. Chr. - 65 n.Chr.)

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