Dieses Forum verwendet Cookies und soziale Plugins wie Facebook und Twitter.
Indem Sie weiter auf diesem Forum navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Internet-Browsers zu ändern, stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Sie erfahren mehr dazu und über unsere Hinweise zum Datenschutz und zu den hier genutzten sozialen Plugins unter Impressum/Datenschutz
 Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 60 mal aufgerufen
  
 Allgemeines zu diesem Forum
Andy Offline




Beiträge: 10

01.05.2017 10:48
Warum fällt es den Süchtigen so schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen? Zitat · antworten

Warum fällt es den Süchtigen so schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Für uns Betroffene ist es eine große Erschütterung unseres Selbstwertgefühls, sich eingestehen zu müssen: Ich bin alkoholabhängig. Denn in unserer Gesellschaft wird von jedem erwartet, dass er mit Alkohol und Drogen umgehen kann. Und diejenigen, die abhängig werden, haben sehr stark damit zu kämpfen, dass sie es nicht mehr allein schaffen, vernünftig damit umzugehen, sondern auf fremde Hilfe angewiesen sind. Auch haben viele Angst vor einer Suchttherapie, weil sie völlig falsche Vorstellungen davon haben, was dort passiert.

Als ich 1994 in die Fachklinik Holstein in Lübeck ging, hatte ich keinen Schimmer was mich dort erwartet. Im Gegensatz zu Heute gab es nur geschlossene Gruppen, man fing gemeinsam den Weg an und hörte ihn dann nach einem halben Jahr gemeinsam wieder auf. Einige früher, auf Grund von Verstößen.
Die ersten 4 Wochen verliefen so, dass man sich die Alkoholgeschichten der andern anhörte. Völlig belanglos. Wen interessiert im Nachhinein wie voll du aus der Kneipe geflogen bist und was du angestellt hast.
Nach 4-5 Wochen trennte sich dann die Spreu vom Weizen. Plötzlich wurden auch Gefühle ein Thema. Nach 4-5 Wochen nicht unüblich. 10-15 Männer hocken jeden Tag auf engstem Raum zusammen. Mir wurde bewusst das es auch dazu gehört, damit umzugehen. Die Situation von den Therapeuten und Ärzten natürlich gewollt.
Ich habe festgestellt das eine Therapie nur so gut ist wie ich selbst. Ein Therapeut hat mir einmal gesagt, ist schon eine Weile her
„Eine Therapie ist wie im Leben ein geben und nehmen. Du gibst etwas und bekommst etwas dafür zurück, sei es auch noch so klein.“ (Clemens Veltrup) Ist schon lange her das er mir das gesagt hat, glaube nicht das er sich noch daran erinnert.

Als ich letztes Jahr in der Motivationstherapie in der Uni-Klinik war, hörte ich des öfteren den Satz, ich werde auch eine Langzeittherapie in Angriff nehmen. Muss endlich Abstand von den Drogen und vom Alkohol bekommen. Auf meine Frage ob es der einzigste Grund sei, einfach nur Abstand zu bekommen, war die Antwort meist ein schlichtes ja.
Meine Antwort war dann, statt einer Therapie, würde da auch einfach ein Zimmer ausreichen das man abschliessen kann.
Eine Durchreiche für Essen und Trinken und gut, so habe ich auch Abstand.

Ich habe während meiner Therapie viel gegeben, was mich nicht nach 20 Jahren vor einem Rückfall geschützt hat, aber es hat mich doch im Nachhinein positiv gezeichnet.
Rückfälle gehören zur Abhängigkeit dazu, die Frage die sich stellt ist, wie gehe ich damit um.
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu und wer glaubt jemand zu sein, hat aufgegeben jemand zu werden, und wer keinen Mut zum Träumen und Fantasie hat, hat auch keine Kraft zum kämpfen.

CliC Lübeck Offline




Beiträge: 1.828

02.05.2017 15:25
#2 RE: Warum fällt es den Süchtigen so schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen? Zitat · antworten

...Manchmal dauert es ja bis "man" bereit ist, Hilfe anzunehmen.

Davon abgesehen, dass ca. 70% (!) der Personen mit abhängigem oder missbräuchlichem Konsum von Suchtmittel, nie im Hilfesystem ankommen.

Wobei das Hilfesystem hier in Deutschland vorbildlich ist.
Mit Beratungen, Betreuung, Therapie, Nachsorge und einem Netz an SHG, wäre eigentlich für jeden etwas dabei.

Es bedarf halt auch dem richtigen Zeitpunkt um Hilfe anzunehmen. Viele jetzt abstinent lebenden, werden wisse was ich meine.

Ich selbst bin ein großer Verfechter von Therapien, dienen diese durch den verhalten-therapeutischen Ansatz
vielen Facetten des zukünftigen Lebens und es schadet auf gar keinen Fall, sich mal intensiv mit sich selbst zu befassen.

Fakt ist auch, dass es mit Therapie einfacher ist, sich von Verhaltensmustern und anderen den Konsum dienenden Automatismen zu lösen.

Und alle Mal spannend...

LG uwe

____________________________________________
Wer nach vorne kommen will, muss Regeln brechen. Wer innovativ sein will, muss Konventionen missachten. Wer Kreatives schaffen will, muss Bestehendes vergessen.

 Sprung  
CliC social media Streiflicht:

disconnected CliC Themen Chat Mitglieder Online 0
Besucht uns auch bei



Xobor Forum Software von Xobor